Ein wundervoller Sommertag – die Sonnenstrahlen streifen die Startbahn, es ziehen kleine weiße Wolken dem Horizont entgegen und der Wind trägt den betörenden Duft von Kerosin vorbei. Vor mir steht eines meiner schönsten Erlebnisse: Eine Flugreise von Strausberg nach Usedom mit einer Cessna 172.
Um so mehr ich mich dem Gebäude mit dem Tower nähere, desto stärker rast mein Puls. Es folgen die ersten Schritte der Flugvorbereitung: der Pilot stellt sich vor und bittet uns im Gebäude zu warten, bis er mit der Maschine vorgefahren ist. Es geht los. Wir nehmen Platz, setzen die Kopfhörer auf und lauschen dem Gespräch des Piloten mit dem Tower.Dann geht alles sehr schnell und, um es mit den Worten von Reinhard Mey zu sagen:
„… Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei – Bis hier hör‘ ich die Motoren – Wie ein Pfeil zieht sie vorbei – Und es dröhnt in meinen Ohren – Und der nasse Asphalt bebt…“
Der Startvorgang ist (leider) schnell vorbei, wir heben ab und gleiten dem Himmel entgegen. Hier möchte ich erneut eine Anleihe bei Herrn Mey machen:
„…über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen sagt man blieben darunter verborgen und dann würde was uns groß und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein…“
In der wunderschönen Darstellung von Herrn Mey beschreibt er eine Person, die zuschaut, wie ein Flugzeug abhebt. Meine Perspektive hingegen ist die des Abhebenden, des Fliegenden. Dieses Gefühl in einer Propellermaschine sitzend, jeden Windstoss und auch jede Thermik leibhaftig zu erleben ist schwer darzustellen. Jemand, wie meine Person, der das Fliegen bislang nur als Mittel zum Reisezweck kannte eröffnet es eine völlig neue Erlebniswelt. Der Sichtflug ermöglicht Einem den Einblick in die einzigartige Topografie unseres Planeten, unseres Landes. Flüsse schlängeln sich durch grüne Wiesen, die an gelbe Rapsfelder grenzen und wiederum umrankt werden von verschiedenen Wäldern – einfach beeindruckend!
Dieser Erlebnisbericht schildert sehr subjektiv eine Flugreise im Sichtflug. IGTV möchte hierbei auch den gesundheitlichen Aspekt berücksichtigen und stellt dem Piloten und Fluglehrer Winfried Gebhardt folgende Fragen.
Was haben Flugreisende abweichend von einem Linienflug in einer großen Maschine gesundheitlich zu beachten?
Man kann ganz einfach sagen, wer Autofahren verträgt, kann auch mit einem kleineren Flugzeug fliegen. Die Flughöhe (Sauerstoffmangel) wird erst ab 3 km problematisch. Wer allerdings stark erkältet ist und damit Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich haben könnte, sollte Verzicht üben. Die Schmerzen beginnen erst mit dem Abstieg, da dann im Ohr der Druckausgleich nicht, oder nur zu langsam hergestellt werden kann.
Können Sie die beruhigende und ausgleichende Wirkung unseres Erlebnisberichtes bestätigen?
Da die Flugreisenden die Schönheiten der Natur bewundern möchten ist die Flughöhe meist nicht größer als 600 – 1000 m. Dies gilt insbesondere für das Frühjahr, wenn die Natur zu grünen beginnt, oder etwas später zur Rapsblüte. Das sind unvergeßliche Eindrücke.
Worin besteht aus Ihrer Sicht der Unterschied vom Sichtflug zum Instrumentenflug?
Beim Instrumentenflug wird die Fluglage nur nach den Instrumenten gehalten. Die menschlichen Sinneseindrücke ohne Sicht eines Horizontes sind nicht geeignet das Flugzeug in der gewünschten Fluglage zu halten. Vergleich: In einem stockdunklen Raum nach mehreren Umdrehungen die Tür wieder zu finden dürfte nicht unproblematisch sein. Im Flugzeug kommt noch die dritte Achse ( auf und ab ) hinzu, da versagt dann alles. Ein ungeschulter Pilot ist in der Regel nach 3 Minuten am Ende seines Flieger-Lateins.
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Interview: JK Fotos: HS